Chronik

AUSZUG AUS DER FESTSCHRIFT
30 JAHRE GAILTALER TRACHTENKAPELLE EGG“

Die Geschichte der Trachtenkapelle ist mit der Entwicklung des Egger Gebietes eng verbunden. Jedes größere Ereignis in den umliegenden Ortschaften wurde mit der Musik feierlich umrahmt. Die Musikkapellen tragen – wie kaum noch eine andere Einrichtung – zur Verschönerung des ländlichen und städtischen Lebens bei. Sie jubeln bei festlichen Anlässen mit den Fröhlichen und trauern in schweren Zeiten mit den Trauernden. Mit der althergebrachten Tracht schafft die Trachtenkapelle den farbenfreudigen Rahmen für jedes Festgeschehen und wenn ihre flotten Märsche und die vertrauten Weisen erklingen, dann schlagen alle Herzen höher und jung und alt empfindet erst die richtige Festesfreude. Ein Fest ohne Musik ist kein Fest. Es ist daher kein Wunder, daß das Interesse der Bevölkerung am Bestand der Trachtenkapelle sehr groß ist. Mit vereinten Kräften der Mitglieder, mit Unterstützung der Bevölkerung und der Gemeinde ist es gelungen, die in den letzten Jahren notwendig gewordenen Anschaffungen zu tätigen. Die wichtigsten Ereignisse des als“1. Gailtaler Reiterkapelle Egg“gegründeten Musikvereines sind im folgenden Rückblick festgehalten. Nach einigen Vorbesprechungen in der Bauernstube des Herbert Andrä vlg. Weißkopf kam es am 21. November 1950 im Gasthaus Grafenauer in Egg zur Gründungsversammlung.

Bereits im Jänner 1951 begann der Verein mit dem Ankauf der Instrumente. Die Finanzierung derselben erfolgte teils aus Haussammlungen und teils aus gespendeten Baumstämmen. Die Schlägerungen und Bringung dieser Bäume mußten die Vereinsmitglieder in ihrer Freizeit selbst durchführen. Mit den vorhandenen Instrumenten begann auch die Probentätigkeit unter der Leitung des Kapellmeisters Franz Beck. Die Anschaffung des Zaumzeuges für die Pferde erfolgte durch den Pferdezuchtverein Hermagor unter dem Obmann Hans Pipp aus Dellach. Der Trachtenankauf war vorerst aus finanziellen Gründen nicht möglich und auch nicht notwendig, da die bodenständige Egger Tracht in den verschiedenen Häusern noch vorhanden war. Am 2. September desselben Jahres wurde die Einweihung der „1. Gailtaler Reiterkapelle Egg“ festlich begangen. Am Vormittag fand eine Feldmesse und am Nachmittag ein berittener Umzug mit anschließender Tanzveranstaltung statt. Die Patenschaft übernahm die Gattin des Bezirkshauptmannes, Frau Maria Schwarz.

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Festumzug beim Gründungsfest

Am 20. Juli 1952 trat die Reiterkapelle erstmals in Hermagor beritten auf, um den ersten vom Volk gewählten Bundespräsidenten Dr. Theodor Körner zu begrüßen. Ab 1. April 1953 übernahm Jakob Kopitsch die musikalische Leitung der Kapelle. Sein musikalisches Wissen konnte sich Kopitsch in den Jahren 1944 bis 1945 während seiner Militärdienstzeit in Klagenfurt aneignen. Am 4. Dezember 1954 wurde das Gründungsmitglied Vinzenz Rauscher zum neuen Obmann gewählt. Er verstand es, den Verein – trotz der damaligen tristen Vereinskasse – vortrefflich weiterzuführen. In den folgenden Jahren wirkte die Kapelle bei Prozessionen, Begräbnissen, Kirchtagen und anderen öffentlichen und kulturellen Anlässen mit. Die fortschreitende Umstrukturierung in der Landwirtschaft verdrängte das Pferd und es war nur mit großer Mühe möglich, in berittener Formation aufzutreten. Der letzte Auftritt mit den Pferden erfolgte im Jahre 1960 in Klagenfurt anläßlich „40 Jahre Kärntner Volksabstimmung“. Die Beschaffung der Pferde für diesen Auftritt organisierte Hans Pipp aus Dellach und diese mußten aus dem gesamten Gemeindegebiet von Egg zusammengezogen werden. So war es möglich mit 4 „Fuchsen“, 4 „Braunen“ und 4 „Kohlen“ aufzutreten. Durch die Zunahme des Fremdenverkehrs in unserem Gebiet und der damit verbundenen Abhaltung von kulturellen Veranstaltungen war es notwendig, die damalige Reitermusik – es war eine Art von Fanfarenmusik – in die Konzertmusik umzuwandeln.

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Letzter berittener Auftritt 1960 in Klagenfurt Bezirksmusikertreffen in Tröpolach im Jahre 1952

Jakob Novak übernahm am 13. Dezember 1963 die Führung des Vereines. Die damalige Gemeinde Egg unter Bürgermeister Hans Andrä ließ dem Verein jeglich Unterstützung zukommen. Der Mitgliederstand erhöht sich auf zweiundzwanzig. Instrumente und Trachten mußten ergänzt werden. 1964 begannen die Vereine mit der Veranstaltung der heute schon zur Tradition gewordenen Sommerfeste. Am 16. August 1964 erstmals das Fest der Burschenschaft Micheldorf und am 7. August 1965 das der 1. Gailtaler Reiterkapelle Egg. 1965 ernannte der Verein Bürgermeister Hans Andrä zum Ehrenmitglied und Franz Beck zum Ehrenkapellmeister. In diesem Jahr erfolgte auch der Beitritt zum Kärntner Blasmusikverband. Am 6. Februar 1966 empfing die Kapelle vor dem Gasthaus Pipp in Dellach den Bundeskanzler Dr. Josef Klaus. Seit diesem Jahr wird auch jährlich der Egger Almkirchtag mit Feldmesse vor der Heldenkapelle und anschließender Autoweihe abgehalten. Am 17. Juli 1966 feierte die Reiterkapelle das 15jährige Bestandsjubiläum. Aus diesem Anlaß wurden Vinzenz Jobst und Vinzenz Rauscher für ihre Verdienste zu Ehrenobmännern ernannt.

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Erstes Sommerfest in Micheldorf 1964 Empfang des Bundeskanzlers Dr. Klaus

Durch den unermüdlichen Einsatz des Obmannes Jakob Novak war es im Frühjahr 1967 möglich, neue Instrumente mit Normalstimmung anzukaufen und gleichzeitig von der sogenannten „hohen“ auf „Normalstimmung“ umzustimmen. Die Kosten für die Neuanschaffung betrugen 96.000,- Schilling. Die finanziellen Mittel kamen aus Einnahmen von Konzerten, aus dem Reinerlös der Sommerfeste, aus Spenden von der heimischen Bevölkerung und schließlich war es wiederum die Gemeinde Egg unter Bürgermeister Hans Andrä, die dem Verein eine entsprechende Subvention angedeihen ließ. Mit einer Feldmesse wurde am 7. Mai die Instrumentenweihe feierlich begangen. Im Juli 1970 kam es zur Einweihung des neu errichteten Gipfelkreuzes auf dem Poludnig. Am Gipfel zelebrierte, der in unserer Gemeinde behematete Pfarrer Valentin Gotthard eine Feldmesse, an die eine Autoweihe auf der Poludnig Alm folgte. Die Gailtaler Reiterkapelle umrahmte den Gottesdienst feierlich.

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Instrumentenweihe 1967 Gipfelkreuzeinweihung am Poludnig, 1970

Den Beschluß über den Ankauf der neuen Trachten faßte der Verein am 2. Jänner 1971. Im Einvernehmen mit dem Kärntner Heimatwerk fertigte man die Trachtenröcke nicht mehr aus schwarzem Loden, sondern aus braunen Samt an. Sowie beim Instrumentenankauf konnte auch diesmal die Gemeinde Egg einen Zuschuß gewähren. Die Trachtenweihe fan am 20. Juni 1971 statt. Gleichzeitig wurde auch das 17. Bezirksmusikertreffen, das erste dieser Art in Egg, abgehalten. An diesem Fest nahmen 13 Kapellen des Bezirkes teil. Da durch den völligen Rückgang des Pferdebestandes ein berittener Auftritt nicht mehr in Frage kam, beschlossen die Vereinsmitglieder bei der Vollversammlung am 5. Jänner 1972 die Namensänderung von „1. Gailtaler Reiterkapelle Egg“ auf „Gailtaler Trachtenkapelle Egg“. Seit der Eingemeindung der Gemeinde Egg in die Großgemeinde Hermagor im Jahre 1973 bestehen in der neuen Gemeinde nun 4 Musikkapellen.

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Einweihung der VS Egg mit LH Hans Sima, 1971 Bezirksmusikertreffen 1971 in Egg

Die kulturtragenden Vereine (Kulturverein Micheldorf, Sportverein Egg, Trachtenkapelle und Feuerwehr) übernahmen 1974 im Einvernehmen mit der Gemeinde Hermagor die Fertigstellung der von der Gemeinde Egg begonnenen Veranstaltungsstätte. Sämtliche Arbeiten mußten von den Vereinsmitgliedern verrichtet werden. Des weiteren war es notwendig, auch finanzielle Leistungen zu erbringen. Die Organisation lag in den Händen des Musikobmannes Jakob Novak. 1974 wurden erstmals auch Mädchen in den Verein aufgenommen. Am 29. Juni 1975 feierte die Trachtenkapelle das 25-jährige Vereinsjubiläum. Am Festakt nahmen 5 Gastkapellen teil. Für 25jährige Tätigkeit ehrte der Verein die Mitglieder Vinzenz Rauscher, Jakob Kopitsch, Johann Pernull, Johann Janschitz und Melchior Thurner. Weiters wurde Kapellmeister Jakob Kobitsch für seine mit viel Einsatz und Können geleistete Vereinsarbeit zum Ehrenkapellmeister ernannt. Dieses Fest fand erstmals auf der neu errichteten Veranstaltungsstätte statt, die eine klaglose Abhaltung der Sommerfeste ermöglicht.

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Obmann Jakob Novak bei der Festansprache Die, für 25-jährige Tätigkeit Geehrten, 1975

Am 27. September 1975 wirkte die Gailtaler Trachtenkapelle Egg bei der Einweihung des neu errichteten städtischen Kindergartens in Hermagor mit. An der Spitze der Ehrengäste befand sich der Unterrichtsminister Fred Sinowatz. Am 15. April 1976 verstarb in Salzburg Ehrenkapellmeister Franz Beck. Am 14. Jänner 1977 mußte Obmann Jakob Novak, der den Verein 14 Jahre lang führte, sein Amt aus gesundheitlichen Gründen zurücklegen. Für seine mit viel Ausdauer und Idealismus geleistete Vereinsarbeit wurde er zum Ehrenobmann gewählt. Sebastian Mörtl, seit 1963 aktiver Musiker, übernahm die Obmannstelle. Ihm lag ein arbeitsreiches Jahr bevor. Bereits im März unternahm das Fremdenverkehrsamt Hermagor mit der Gailtaler Trachtenkapelle Egg eine 7tägige Werbefahrt nach Recklinghausen in der Bundesrepublik Deutschland. Überall mit man die Egger Trachtenkapelle freudig und begeistert aufgenommen. Durch sie wurde unser schönes Heimatland weitum bekannt gemacht. Die Teilnahme stellte vor allem an die Jungmusiker große Anforderungen. Im Juli nahm die Musik an einem internationalen Folklorefest in Madrisio bei Udine/Italien teil. Die dritte Auslandsfahrt der Kapelle führte im September desselben Jahres nach Kaltern/Südtirol, wo es galt, die Hochzeitsfeierlichkeiten im Hause Graf Kuenburg festlich zu umrahmen.

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Festkonzert beim Folklorefest in Madrisio, 1977 Obmann Sebastian Mörtl als Hochzeitsgratulant

Am 15. Juli 1978 stattete die Gailtaler Trachtenkapelle der Partnerkapelle „Vereinigte Harmoniemusik Stallehr-Bings-Radin“ in Vorarlberg einen Gegenbesuch ab. Die Musikfreunde feierten ihr 20jähriges Bestandsjubiläum. Im September 1979 hatte die Musikkapelle neuerlich die ehrenvolle Aufgabe, beim Grafen Kuenburg in Kaltern eine Hochzeit festlich zu gestalten. Außer den angeführten Ereignissen wirkte die Gailtaler Trachtenkapelle Egg bei zahlreichen Anlässen, Festen und Feierlichkeiten mit, und hat zu deren Umrahmung einen wesentlichen Beitrag geleistet. Allein Jahre 1979 wurden insgesamt 36 Ausrückungen gezählt. Obmann Sebastian Mörtl versteht es vorallem für den Nachwuchs der Jungmusiker zu sorgen. Die Ausbildung liegt in den Händen unseres altbewährten Kapellmeisters Jakob Kobitsch. Weiters wird den Jungmusikern auch der Besuch der Musikschule Hermagor unter der Leitung des Bezirkskapellmeisters Jakob Allmayer ermöglicht. Die Anzahl der aktiven Musiker konnte mit Jänner 1980 auf 33 erhöht werden. Das Durchschnittsalter beträgt 24 Jahre. Am 5. Jänner 1980 beschloß die Vollversammlung den Ankauf einer Vereinsfahne. Die Fahnenweihe soll am 6. Juli 1980 mit dem 30jährigen Jubiläum verbunden werden. Sicher war es nicht möglich, die Entwicklung des Vereines in allen Einzelheiten aufzuzeigen.

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Festkonzert in Vorarlberg im Juli 1978 Ehrenobmann Jakob Novak mit Maketenderinnen

Noch einige Bilder von „damals“

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Einweihung des neuen Gemeindeamtes in Egg

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Hochzeitsständchen bei Josef Jobst in Mellach

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So wurde eine richtige Bauernhochzeit gefeiert

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Die 1. Gruppenaufnahme 1951

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Festumzug beim Gründungsfest

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Landesmusikertreffen in Hermagor

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Trachtenkapelle Egg im Jubeljahr 1980

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Egger Kirchtag

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Kirchtag mit Feldmesse auf der Egger Alm

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Berittener Auftritt im Jahre 1956 in Hermagor